Also, eigentlich bin ich ja ein Tierfreund, aber es gibt Momente, da muss ich an mich halten, wenn ich herumstreunende Katzen sehe, um nicht aus der Haut zu fahren. Das hat auch seinen Grund. Dieser Grund liegt nun schon einige Jahre zurück, aber er ist mir gut im Gedächtnis haften geblieben.
Alles begann damit, dass mich mein Mieter Johannes Westernhagen auf der Treppe abfing, als ich auf dem Weg zu meiner Wohnung war. „Ach, Sie kommen ja gerade zum richtigen Zeitpunkt. Kommen Sie doch mal kurz mit in meine Wohnung.“ Ich dachte mir nichts dabei, denn Westernhagen war ein sehr stiller Mieter, der kaum auffiel. Wahrscheinlich wollte er mir nur einen tropfenden Wasserhahn zeigen – dachte ich.
Doch Johannes Westernhagen führte mich in sein Wohnzimmer. „Schauen Sie sich das mal an,“ sagte er und verwies auf die Balkontür. Ich schaute flüchtig hinaus und konnte nichts entdecken. „Tut mir leid, ich weiß nicht was Sie meinen,“ stellte ich fest. Westernhagen ging zur Balkontür und öffnete sie einen Spalt. „Dann versuchen Sie mal rauszugehen, ohne dass die Biester meine Wohnung stürmen.“
Jetzt sah ich es. Die „Biester“ waren ein halbes Dutzend Katzen, die es sich auf dem Balkon gemütlich gemacht hatten. Einige lagen blinzelnd auf dem Bauch und ließen sich von der Herbstsonne bescheinen, andere wiederum kletterten an dem Gestell für die Efeu-Ranken hoch oder kratzen sich den Rücken an der Balkonmauer.
„Ja, das ist ärgerlich,“ gab ich zu. Doch mein sonst recht ruhiger Mieter ging jetzt richtig auf die Barrikaden. „Ärgerlich? Ich kann auf meinem Balkon nicht mehr Zeitung lesen. Immer wird er von Katzen belagert. Sie müssen dafür sorgen, dass sie wegkommen.“
„Ich denke, dass ich da nichts machen kann. Die Katzen sind Streuner, die von den Nachbarn angelockt werden, weil sie die Tiere füttern. Was soll ich da unternehmen?“ frage ich Herrn Westernhagen. Der hat eine kurze, für mich sehr unbefriedigende Antwort: „Das ist mir doch egal. Sie haben mir eine Wohnung mit Balkon vermietet. Wenn ich den Balkon nicht nutzen kann, kürze ich die Miete. So einfach ist das.“
„Ich glaube nicht, dass das so einfach ist,“ antworte ich. „Mit gehören die Katzen doch nicht. Man kann mich doch nicht dafür verantwortlich machen, wenn andere die streunenden Dachtiger mit ihrer Fütterei anlocken.“ „Ach, aber ich soll einen Balkon bezahlen, den ich nicht nutzen kann. Ich habe diese Mäusejäger doch nicht eingeladen. Wenn Sie aber Geld bekommen, damit ich meinen Balkon benutzen kann, müssen Sie auch dafür sorgen, dass ich draußen in Ruhe meine Zeitung lesen kann.“ Um ihn zu beruhigen, versprach ich Westermann, ich würde mich darum kümmern.
Auf dem Weg in meine Wohnung überlegte ich, dass ich den Nachbarn wohl schwerlich das Füttern der Katzen verbieten könne. Ein Umzäunung, die keine Katzen durchlässt war nicht möglich. Also waren mir die Hände gebunden. Ich konnte nichts machen. Also kann man mir auch nichts an hängen - dachte ich.
Doch es kam wie es kommen musste. Mein Mieter kürzte die Miete und ich zog frohen Mutes vor Gericht. Doch dort erhielt Herr Westernhagen Recht. Seitdem finde ich Katzen alles andere als süß.