Es war so ein schönes Wochenende – gewesen. Meine Frau und ich hatten Verwandte in München besucht. Die Rückfahrt war sogar ohne Stau über die Bühne gegangen. Alles schien perfekt. Wir fuhren den Wagen in die Garage und gingen gut gelaunt ins Haus. Ich ließ mich nach der doch recht anstrengenden Fahrt im Wohnzimmer in einen Sessel fallen und meine Frau zog los, um zu lüften.
Dann hörte ich einen Schrei. Meiner Frau musste etwas passiert sein. Ich sprang auf und folgte dem Schrei in Richtung Terrassentür. In der Tür stand meine Frau wie versteinert. Sie dreht sich um und schaute mich mit einem Blick an, der eine Mischung aus Wut und Entsetzen signalisierte. „Nun schau dir das mal an,“ sagte sie und ging einen Schritt zur Seite. Da sah ich es auch.
Die gesamte Terrasse war mit Unrat übersät. Ein blauer Müllsack lag fast in der Mitte der mit Bodenplatten belegten Fläche. Er war aufgeplatzt und augenscheinlich hatten irgendwelche Tiere den Dreck gleichmäßig über die Terrasse verteilt.
Ich ging hinaus und schaute mir die Schweinerei genauer an. „Ich habe alles gesehen,“ hörte ich auf einmal eine Stimme vom rechten Nachbargrundstück. Frau Schlursiek stand am Zaun. Ich ging in ihre Richtung und fragte: „Was haben Sie gesehen?“ „Na, wie der Mauers den Müllsack auf Ihre Terrasse geworfen hat.“
Franz-Josef Mauers. Ich hätte es mir denken können. Mein Nachbar zur Linken, mit dem ich mich in einem Dauerstreit befand. Mauers hatte das Grundstück kaufen wollen, auf dem jetzt unser Haus stand. Dass ich den Zuschlag bekommen hatte, konnte er mir nicht verzeihen. Er machte uns wo es nur ging das Leben schwer. Dabei schreckte er auch vor falschen Anschuldigungen nicht zurück. Aber das hier schlug dem Fass die Krone aus. Jetzt war das Maß voll.
„Würden Sie das auch vor Gericht bezeugen, Frau Schlursiek?“ „Na klar,“ sagte die resolute Nachbarin, die auch immer wieder unter den Attacken von Mauers zu leiden hatte, der augenscheinlich mit Nichts und Niemand in Frieden leben konnte. „Ich hab auch ein paar Fotos gemacht, wie das aussah, als er den Sack auf Ihre Terrasse geworfen hat,“ rief Frau Schlursiek stolz. „Danke, ich komme nachher mal zu Ihnen rüber. Dann besprechen wir das Ganze,“ rief ich ihr zu und ging ins Haus, um meinen Anwalt anzurufen. So was konnte man sich einfach nicht gefallen lassen.