Das war vielleicht eine Aufregung. Dabei hatte alles so schön begonnen. Endlich hatte es begonnen, richtig dicke Flocken zu schneien und ich hatte einen Spaziergang durch den nahegelegenen Wald unternommen. Ich ließ die weihnachtliche Stimmung in mir aufsteigen und genoss es, durch den frisch gefallenen Schnee zu stapfen.
Nachdem ich die Gartentür vor dem Haus geschlossen hatte, hörte ich meinen Mieter, Herrn Schulz, rufen: „Hallo! Na, jetzt müssen Sie sich aber erst mal aufwärmen.“ Schulz war ein gemütlicher rundlicher Mann, der mit seinem Bart ein wenig an den Nikolaus erinnerte (wenn auch der Bart von Herrn Schulz ein ganzes Stück kürzer war). Und Herr Schulz war immer für eine Überraschung gut. So auch jetzt.
Er hatte in dem gemauerten Gartengrill Feuer angemacht und darauf stand ein ziemlich großer Topf, aus dem es toll nach Glühwein roch. Das war wieder typisch Schulz. Er hatte Glühwein für die ganze Hausgemeinschaft aufgesetzt und freute sich über jeden, der einen Becher mit ihm trank. Einige Mitmieter und Nachbarn standen schon bei ihm und prosteten mir zu. Ich ließ mich nicht lange bitten (denn mir war wirklich ein wenig kalt geworden) und ließ mir von Schulz einen Becher des heißen Getränkes kredenzen.
„Sag mal, was ist denn bei dir da oben los? Da kommt Rauch aus dem Fenster“, rief plötzlich einer aus der Runde. „Kein Grund zur Aufregung, meine Frau backt Plätzchen. Die gelingen meist erst im vierten Anlauf,“ lachte Schulz. Ich schaute nach oben und mir war sofort klar: Das war kein Rauch aus dem Backofen. „Bei dir brennt’s“, schrie ich und ließ den Becher fallen. Auch Schulz schaute hoch und wurde kreideweiß. „Meine Frau, mein Sohn,“ stammelte er. Doch da kamen die beiden glücklicherweise hustend aus der Haustüre heraus. Ich alarmierte per Handy die Feuerwehr. Sie war auch ruckzuck da und brachte den Zimmerbrand schnell unter Kontrolle.
Kurt – Schulzens Sohn – schluchzte die ganze Zeit. Ich versuchte ihn zu trösten, doch dann gestand er unter Tränen, dass er die Kerzen am Adventskranz angezündet hatte und zum Spielen ging, ohne die Flammen zu löschen. Mein gutmütiger Schulz drückte seinen Sohn an seinen dicken Bauch und meinte nur: „Ist doch alles halb so schlimm. Hauptsache dir und Mami ist nichts passiert. Außerdem sind wir ja versichert. Also komm, hör auf zu weinen, es wird alles wieder gut.“
Nachdem die Feuerwehrleute einen Becher Glühwein dankend abgelehnt hatten und davon fuhren, ging ich ins Haus. Dabei fragte ich mich, ob Schulzens Versicherung den Schaden wirklich übernehmen würde. Ich war da nicht so sicher wie er.