Eigentlich hatten wir ja ein ganz gutes Verhältnis zu unserem Mieter. Deshalb war es auch kein Problem, als er mich anrief und darüber informierte, dass sich eine Kachel im Badezimmer gelöst habe und herunterzufallen drohte. "Ich komme morgen mal vorbei und schaue mir das an“, versprach ich – und so stand ich vor der Tür meines Mieters Kuno Knauser.
Herr Knauser öffnete und begrüßte mich freundlich. „Guten Tag Herr Redlich – schön, dass Sie so schnell Zeit gefunden haben.“ Wir gingen ins Bad und da sah man auch schon die Kachel, die sinngemäß an einem seidenen Faden hing. Das Bad war in die Jahre gekommen – immerhin hatte es schon mehr als 30 Jahre auf dem Buckel. Deshalb klopfte ich die Wände ab und stellte einige Hohlräume hinter den Kacheln fest.
„Am vernünftigsten dürfte es sein, dass wir das ganze Bad renovieren“, meinte ich zu Herrn Knauser, der mir auch sofort zustimmte. „Vielleicht könnte man dann die Badewanne durch eine Dusche ersetzen? – Das wäre mir persönlich lieber.“ „Warum nicht. Am besten ist, wir machen das, wenn sie im Urlaub sind – einverstanden?“ Knauser war einverstanden – aber wann er seinen Urlaub nehmen würde, sei noch offen. Also sollte die Angelegenheit erst einmal warten.
Dann ging alles „Knall auf Fall“. Auf einmal rief mich mein Mieter an und teilte mir mit, dass er in drei Tagen in Urlaub fahren würde. Dann könnten wir ja sofort mit der Renovierung beginnen. „Wie stellen Sie sich das vor, Herr Knauser?“, fragte ich. „Schließlich sind meine Frau und ich berufstätig und wir müssen unsere Termine ja auch ein wenig koordinieren.“ Knauser schien das zu verstehen, und wir einigten uns darauf, dass das Bad während seines Urlaubs soweit hergerichtet werden sollte, dass es von ihm wieder genutzt werden könnte. Gesagt – getan, das Bad wurde binnen zweier Wochen so weit hergerichtet, dass es benutzt werden konnte, ein paar kleinere Arbeiten standen noch aus. Diese wurden dann auch zügig erledigt. Für unseren Herrn Knauser wohl nicht zügig genug. Er schickte mir doch glatt eine Mitteilung, dass er die Miete wegen Nicht-Nutzbarkeit des Bades kürze. Wie gesagt – eigentlich hatten wir ein ganz gutes Verhältnis mit unserem Mieter – hatten!