Entspannt blicke ich auf mein „Schätzchen“ – ein wunderschönes Gründerzeit-Gebäude mit acht Wohnungen in der liebenswerten Landeshauptstadt Erfurt. In den letzten Jahren habe ich viel Geld in dieses Haus gesteckt, doch wenn ich es mir so anschaue, muss ich sagen – es hat sich gelohnt. Wenn ich auch nach der Wende eine mehr als spärliche Miete erzielte (40,00 DM für 90 m²) so hat sich doch alles zum Guten entwickelt und auch den „Katzen-Gau“ habe ich gut überstanden.
Alles begann damit, dass ich eine Wohnung an eine sehr sympathische Frau vermietete. Sie war wirklich sehr nett und erzählte mir so ziemlich alles aus ihrem Leben. Doch bei ihren Geschichten vergaß sie zu erwähnen, dass sie nicht allein in die Wohnung einziehen wollte. Mit ihr zogen Katzen ein. Nicht eine, nicht zwei oder drei, nein insgesamt sechs Katzen beherbergte die Dame in der renovierten Wohnung. Den traurigen Weg bis zum Auszug der Mieterin und ihrer Katzen will ich hier überspringen. Denn erst nach dem Auszug begann mein eigentlicher „Krieg der Krallen“. Nur ein Hinweis: Die Richterin hatte ein Einsehen und wollte, dass die Dame auszieht – binnen 12 Monaten! Gerne hätte ich sie auf einen Tee oder Kaffee in die Wohnung eingeladen. Sie wäre keine 12 Minuten geblieben!
Denn die Dachtiger hatten in der Wohnung nicht nur optische Spuren hinterlassen. Da sie keine andere Möglichkeit hatten, wurde die Wohnung von ihnen als Katzentoilette missbraucht – und der unkastrierte Kater hatte zusätzliche Duftmarken gesetzt. Als höflicher Mensch will ich von „unangenehmen Gerüchen“ sprechen – aber um es auf den Punkt zu bringen: Es stank so erbärmlich, dass schon einige Mitmieter im Haus daran dachten, auszuziehen.
„Hier muss ein Fachmann ran“ dachte ich mir und telefonierte mit einem Altbausanierer. Der erzählte mir denn auch, dass er durchaus Erfahrungen im Bereich der Geruchsbekämpfung habe. So habe man schon die verschiedensten Fälle gehabt, die Entfernung vom Brandgeruch bis hin zum penetranten Leichengeruch habe man schon geschafft. In mir keimte Hoffnung auf – bis der Satz fiel: „Aber bei Gestank durch Katzenurin? Also, da haben Sie ein echtes Problem.“ Enttäuscht legte ich auf. Dass ich ein echtes Problem hatte, wusste ich selbst. Den Anruf hätte ich mir sparen können.
Allerdings hatte ich jetzt ein neues Hobby. Ich war nur noch mit meiner Problemlösung beschäftigt, so dass mich meine Freunde schon mit den Spitznamen „Professor Stinkestop“ belegt hatten. Ich wühlte mich durchs Internet, suchte Rat bei den verschiedensten Experten bis hin zu einem Professor der Chemie – doch die optimale Lösung fand ich nicht. Ich war so verzweifelt, dass ich schon fast die Wohnung zugemauert und abgeschrieben hätte.
Doch dann erwachte mein Widerstandsgeist – ich lasse mir doch nicht von sechs samtpfötigen Minimonstern eine Wohnung wegnehmen. Nein, ich werde die Wohnung retten! Das war mein Ziel – und ich ging auch ans Werk. Und ich siegte! Doch zu welchem Preis: Zunächst wurden die Räume mehrere Tage lang mit Ozon begast. Ein Tipp, den mir eine größere Hausverwaltung gegeben hatte. Außerdem versprühte ich 50 Liter biologische Geruchsneutralisierung. Die Holzbalken wurden mit flüssigem Chlor getränkt und anschließen gekalkt. Das war der Tipp eines Bauern, der mir versicherte „In unserm Ziegenstall funktioniert das auch!“ Doch damit nicht genug: Jede Menge Wandfliesen mussten entfernt und ersetzt werden. Entfernt wurde auch der Wandputz im unteren Bereich (also bis zur Uringrenze). Die Kompaktheizkörper mussten ebenfalls erneuert werden, weil sie dank der „Pinkel-Attacken“ zu rosten begannen. Außerdem flogen 90 m² Fußboden raus und 6.000 kg Bodenschüttung zwischen den tragenden Balken des denkmalgeschützten Hauses mussten ausgetauscht werden.
Jetzt riecht die Wohnung nicht mehr. Nur meine Bekannten machen sich Sorgen um mich. Denn seit jenen Tagen habe ich eine Katzenallergie, die ich nicht mehr loswerde. Warum wohl?